Bobbys 32er Ford Hot Rod 5 Window Coupe

Wie Bobby auf den Hot Rod kam

Sommer 2018: Bobby freut sich über einen Pokal für seinen Rod - Fotograf: Mr.Polara

Rückblick: In den 70er Jahren war es, (wie wohl für viele von uns) diese „interessante“ Musik aus den 50er Jahren, über die auch Bobby im Radio damals immer mal wieder stolperte. Die Filme aus den 50ern taten ihr übriges: Sie wirkten auf die Kinderseele so, als übertrugen sie zwischen den Zeilen ein positives unbeschwertes Lebensgefühl „aus einer völlig anderen Epoche“ in die damalige (für einige Kinder unangenehme) Gegenwart. Ausserdem staunten die großen Kinderaugen über die formschönen Autos jener Zeit, die Kleidung und die Frisuren der Schauspieler.

Erst als er mit der Ausbildung begann, entdeckte er bei seiner Arbeitsstelle, dass es auch Zeitschriften gab, in denen über (oft „aufgemotzte“) amerikanische Wagen berichtet wurde. Manchmal waren sogar auch welche aus den 50er Jahren dabei, die ihm am besten gefielen.
Anfang der 80er Jahre, endlich 18 Jahre alt und erwachsen, kaufte er seinen ersten Chevrolet Camaro von einem Schrottplatz, der einen Blechschaden hinten hatte. (So ein Auto würde man heutzutage nicht mehr auf dem Schrottplatz finden.) Das ist zwar kein 50er Jahre Wagen, aber immerhin ein richtiger „Ami“ mit V8-Motor. Wegen Geldmangel konnte er den Wagen allerdings nie richtig zulassen. So wurde der erste Camaro zum „Zweitwagen“ degradiert, und nur selten mit Kurzzeitzulassung mal gefahren, bevor er ihn dann ca ein Jahr später wieder verkaufte.

80er Jahre: Schon fast 19 Jahre alt: Nicht das erste, sondern schon das dritte Auto: aber der erste amerikanische Wagen

Die Jahre vergingen…. Im Geiste hätte er auch später noch gerne ein 50er Jahre Auto gehabt. Aber da er aufgrund der Größe und des Alters der Wagen, bei den Reparaturen mit einem „Fass ohne Boden“ rechnete, und die Gefahr bestand, dass es ihn finanziell wieder auffressen würde, hat er es nicht umgesetzt. Ausserdem schätzte er die Fahrleistungen eher als behäbig ein, sodass mehr als „nur“ gemütliches herum cruisen vielleicht nicht möglich wäre. Und das bei einem nicht unerheblichen Benzinverbrauch in der Stadt (in der er wohnte und arbeitete), der sich erschwerend auswirkt, wenn man den Wagen jeden Tag nutzen „muss“, da man dann sicher kein zusätzliches Auto noch haben würde. So hat er in den darauffolgenden Jahren einige deutsche Wagen, und dann doch auch nochmal einen weiteren Camaro gekauft. Der Wunsch einen (alten) amerikanischen Wagen besitzen zu wollen, lies mit dem Verkauf des zweiten Camaros dann stark nach.

1987: Den zweiten Camaro konnte Bobby dann endlich ganz normal zulassen, und dann einige Jahre im Alltag fahren

Schlagartig wurde sein Interesse ca 4,5 Jahre nach dem Verkauf des zweiten Camaros aber wieder geweckt, als er im Sommer 1994 als Besucher auf einem Ami-Treffen einen schicken Hot Rod Sedan („Kombi“) sah. Das schöne dumpfe Blubbern des V8-Motors, des im Standgas dahin hinrollenden Fahrzeugs erinnerte ihn wieder an seine Camaros damals. Die Hot Rods aber, wirkten schon so, als schienen sie viel bessere Leitsungsgewichte zu haben, und zudem waren sie auch noch in den 50er Jahren populär.

Auf Bildern in den Zeitschriften und auch in Filmen (Americen Garffiti hatte er schon als Jugendlicher im TV gesehen) hinterlies ein Hot Rod nicht den gleichen Eindruck, wie in diesem Moment, als dieses schön lackierte Auto mit perfekten Spaltmaßen, dicken Rädern und diesem dumpfen lässigen V8-Gebrabbel mit sicher weit unter 900 U/min langsam über den Platz glitt.

Sie sind individuell ganz verschieden, sodass man als Besitzer seine Kreativität vielleicht noch mehr einsetzen kann, als bei einem Fahrzeug, was es möglichst in den Zustand herzurichten gilt, in dem es damals wohl original auch gewesen ist. Hot Rods haben oft stärkere Motoren und bessere Bremsen als das Originalpendant. Demnach ist es doch genau das richtige für mich„, dachte er sich. Der Gedanke ließ ihn nicht wieder los. Ein fromschöner überschaubarer Wagen, mit gutem Leistungsgewicht in nostalgischem Design. Optisch scheinen sie einen Luftwiderstandsbeiwert (CW-Wert) aufzuweisen, der ungefähr dem eines Kleiderschranks zu ähneln scheint. Große hintere Antriebsräder, mit denen manche Rods ausgestattet sind, wirken aber so, als sei der Wagen konstruktiv bedingt trotzdem in der Lage, auch mal etwas zügiger von der Ampel weg kommen zu können, wenn der Fahrer es wollte. Und man glaubt es nicht: An diesem Abend lief im Autokino Hannover-Messe tatsächlich American Graffiti. Das haben die Versanstalter ja gut hinbekommen. War es ein Wink des Schicksals? Jedenfalls lies ihn nun der Gedanke an einen Hot Rod, selbst nach vielen Monaten nicht mehr los.

Bobby wollte als Hot Rod aber möglichst keinen Sedan (“Kombi“), sondern lieber ein „sportlicher wirkendes“ 32er Ford 5 Fenster-Coupe haben, (ja, tatsächlich das Modell, was auch z.B. von John Milner im Film “American Graffiti“ gefahren wird). Aber er wollte NICHT versuchen eine möglichst gute Filmkopie von dem Auto zu erschaffen. Mehr Wert legte auf viele Dinge, die seine inidividuellen persönlichen Bedürfnisse berücksichtigten. Der Wagen sollte z.B. kein zu öffnendes Dach bekommen, da er Undichtigkeiten noch von seinem alten 911er Targa kannte, den er damals direkt nach dem Verkauf des zweiten Camaros gekauft hatte. Ausserdem sollte der Rod z.B. ein Automatikgetriebe (möglichst mit Wählhebel am Lenkrad), und eine durchgängige Sitzbank bekommen. Die hinteren Räder sollen schöne hohe und wulstige Reifenflanken haben und die Kotflügelöffnungen gut ausfüllen, auch wenn es sich nicht positiv auf die Straßenlage auswirken würde. Die Neigung (vorne tiefer) des Fahrzeugs ist ihm (auch bei anderen Autos vorher) von Anfang an wichtig gewesen. Beim Rod könnte es ja sogar so aussehen, als sei es bauartbedingt begründet, dass der Wagen hinten etwas höher ist, weil es die schönen hohen Reifen ja schliesslich gar nicht anders zulassen würden (sofern die Hinterachse nicht quer durch den Kofferraum verläuft). Oder als sei der Wagen vorne etwas tiefer, weil vielleicht der Motor so groß und schwer – (und bestimmt auch stark) – ist.

Die 32er Kühlermaske sollte NICHT windschnittig schräg nach hinten geneigt sein, wie er es mal bei einem anderen Rod gesehen hatte (oder sogar gechopt wie bei John Milners Rod), sondern genau anders herum. Es wirkt dann irgendwie, als sei der Wagen ein kleiner Rebell, dem eine gute Aerodynamik ziemlich egal ist, z.B. weil er es vielleicht schon vor Jahrzehnten aufgegeben hat, sich dem Fortschritt zu unterwerfen (oder er vielleicht sowieso genug Leistung unter der fehlenden Haube hat?).

Viele Sachen, die hier jetzt alle gar nicht erwähnt werden, gab es noch, oder kristallisierten sich im Detail später noch heraus. Es dauerte dann schließlich noch 1,5 Jahre bis er das allererste Teil für das Auto gekauft hat. In dieser Zeit, und auch danach, während der Aufbauphase, ist viel Platz für Träumereien. Vorher recherchierte er in Zeitschriften (ohne Internet damals!), verkaufte seinen inzwischen halbfertigen Geländewagen (den er sich zum restaurieren gekauft hat, bevor der Plan mit dem Rod kam), und suchte und fand eine 2. Arbeitsstelle für die Wochenenden (fast 5 Jahre lang). (Manchmal hatte er auch noch eine dritte.) Als es dann endlich los ging, nahm er auch noch einen 5-stelligen Kredit auf, damit er überhaupt erstmal loslegen konnte. (Warum das so ausführlich beschrieben wird, steht im nächsten Absatz.) Er baute das Fahrzeug quasi neu auf, weil er sich ein fertiges Fahrzeug gar nicht leisten konnte. Der Aufbau dauerte dann einige Jahre, obwohl er soziale Kontakte sehr stark einschränkte. „Die Zeit muss man entweder zum Geld verdienen nutzen, oder um am Auto weiter zu kommen.“ Überlegt es euch gut, wenn ihr sowas vor habt. Oder laßt euch mehr Zeit für den Aufbau. Über die Jahre wurde es dann auch alles noch viel teurer, als ein gebrauchter Rod gekostet hätte. Aber auf diese Weise konnte er von vornherein sein Wunsch-Fahrzeugmodell und viele Details gleich mit berücksichtigen.

Eigentlich macht Bobby immer nur wenig Angaben über die verlorene Zeit, die verpassten privaten sozialen Chancen und das ganze ausgegebene Geld für das Auto, weil es auch als rumjammern interpretiert werden könnte. Aber immer öfter kommt es vor, dass Leute, die vom Neid zerfressen scheinen, sich durch Mißgunst und Diffamierung versuchen hervor zu tun. Vielleicht tragen diese Internetseiten mit dazu bei, unvoreingenommenen Lesern die Materie näher zu bringen. Bobby hat keine reichen Eltern, keine Erbschaft und keinen Geldgewinn zu verzeichnen. Es scheint für Leute, die nicht viel mit Technik zu tun haben, unverständlich zu sein, dass es andere gibt, die für das Umbauen / Restaurieren von ihrem Auto, Motorrad, Trecker oder was auch immer, auf vieles andere (nicht nur auf Urlaubsreisen) verzichten (müssen). Diese Leute investieren oft viel Geld in Teile und Dienstleistungen, wodurch (auch kleine regionale) Betriebe profitieren (und vielleicht auch in der Summe Arbeitsplätze erhalten werden können). Jedesmal wird außerdem Mehrwertsteuer generiert, wovon der deutsche Staat sicher mehr hat, als wenn das Geld auf Mallorca (oder noch weiter weg) verpulvert werden würde. Bobby meint, dass es nicht nötig sei, friedliche Leute, die in der Freizeit in der Garage an ihrem Fahrzeug rumbasteln, und außerdem auch noch „so dumm sind“, dass sie freiwillig viel Geld bezahlen, um im Verhältnis dazu, nur wenig Kilometer voran zu kommen, pauschal zu diskreditieren. „Man will ja keinen Orden bekommen, sondern sich einfach nicht mehr fragen müssen, ob die Leute keine eigenen Sorgen haben„, sagt er.

Mehr zum Auf- und Umbau steht im Blog.

Kurze grobe Erklärung zu dem Begriff „Hot Rod„, wie man ihn im ursprünglichen Sinne versteht: Es handelt sich dabei um einen um- oder nachgebauten „Oldtimer“ von vor 1949 – mit nicht selbsttragender Karosserie, Frontmotor und Heckantrieb. Es sind meistens Automodelle aus den 30er Jahren (Vorkriegsautos). Die Umbauten umfassen sowohl Technik, als auch Optik, je nach Vorliebe des Besitzers. Das Umbauen von Autos hat in den USA eine lange Tradition. Die Anführungsstriche oben bei dem Wort Oldtimer, sollen den Unterschied zum Hot Rod verdeutlichen. Ein Oldtimer ist absichtlich (im Gegensatz zum Hot Rod) NICHT (oder nur originalgetreu) umgebaut/restauriert, normalerweise jedoch technisch und optisch nicht verbessert worden, um die Historie des Fahrzeugs zu erhalten. Bei den Hot Rods sind Umbauten hingegen beabsichtigt und gewünscht. Es gibt auch unterschiedliche Stiele dabei (meistens thematisch auf ein bestimmtes Jahrzehnt bezogen). Eine auffällige Richtung ist Euch sicher auch schon aufgefallen: Wenn das Auto z.B. optisch ziemlich „schäbig“ aussieht. Das ist oft vom Besitzer extra so beabsichtigt. Technisch (unten drunter) sind die Fahrzeuge aber machmal tip-top. 

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